EuGH: Möglicher Entschädigungsanspruch orientiert sich am Zeitpunkt der Öffnung der Flugzeugtür

von Kai-Julian Folkerts

Der Zeitpunkt, zu dem mindestens eine der Flugzeugtüren geöffnet wird, bestimmt die "tatsächliche Ankunftszeit" eines Fluges. Denn im Hinblick auf eine etwaige Entschädigung nach der Fluggastrechteverordnung 261/2004 lässt sich erst zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß der Verspätung bestimmen. Dies geht aus einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) hervor.

Zur Begründung führt der Europäische Gerichtshof aus, dass während eines Fluges, und auch nach der Landung, Passagiere unter der Kontrolle der Airlines stehen und gewisse Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit hinnehmen müssen. Erst wenn diese Einschränkungen nicht mehr gegeben seien, könne die „tatsächliche Ankunftszeit“ festgestellt werden. Aus Sicht des Gerichts tritt dieser Zeitpunkt mit dem Öffnen mindestens einer Flugzeugtür und der Erlaubnis, von Bord zu gehen, ein.

Auslöser des Rechtsstreits war ein verspäteter Flug einer europäischen Airline. Passagieren steht bei Flügen mit einer Verspätung von mehr als 3 Stunden eine Ausgleichszahlung in Höhe von 250 Euro zu. Der Flug endete aus Sicht der Airline mit Aufsetzen der Maschine am Zielort und einer Verspätung von 2:58 Stunden. Die Parkposition wurde nach 3:03 Stunden erreicht, kurz darauf konnten die Reisenden das Flugzeug verlassen. Die Klage des Passagiers war erfolgreich.

(Urteil des EuGH vom 04.09.2014, Az. C-452/13)

Herr Rechtsanwalt Kai-Julian Folkerts steht Ihnen für eine weitergehende Beratung gerne zur Verfügung.

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